
Die Ausbildungslage 2010 hat sich für Ausbildungsbewerber und Ausbildungsbewerberinnen weiter verbessert. Das lag vor allem an der Zunahme der Zahl betrieblicher Ausbildungsverträge, aber auch am demografisch bedingten Bewerberrückgang und der Verringerung der Zahl der Altbewerber und der Zahl junger Menschen im Übergangssystem.
In Deutschland besteht ein breiter bildungspolitischer Konsens hinsichtlich des hohen Stellenwerts des dualen Berufsbildungssystems. Ein entscheidender Vorzug der dualen Ausbildung ist die Nähe zum Beschäftigungssystem. Einerseits ermöglicht sie Unternehmen, ihren Fachkräftenachwuchs praxisnah und bedarfsgerecht auszubilden. Andererseits sichert sie den Auszubildenden hohe Übernahmequoten in Beschäftigung und ist somit eine wesentliche Voraussetzung für eine eigenständige Lebensführung und gesellschaftliche Teilhabe. Mit der Nähe zum Beschäftigungssystem ist aber auch eine spürbare Konjunkturabhängigkeit der Ausbildungssituation verbunden. Das hatte zuletzt der Berufsbildungsbericht 2010 gezeigt, als die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Folge der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise und der demografischen Entwicklung deutlich gesunken war. Die Ergebnisse des Berufsbildungsberichts 2011 zeigen, dass sich die Lage wieder verbessert hat:
Angesichts der andauernden Wirtschaftskrise waren die Erwartungen nicht sehr hoch. Das Ergebnis für das Ausbildungsjahr 2009/2010 fällt daher - auch bedingt durch die positive konjunkturelle Entwicklung - deutlich besser aus als erwartet.
Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge lag 2010 bundesweit bei 560.073. Dies entspricht einem leichten Rückgang um 4.234 bzw. 0,8 Prozent verglichen mit 2009 (564.307). Bei den betrieblichen Ausbildungsverträgen konnte hingegen ein leichtes Plus (524 bzw. 0,1 Prozent), in den alten Ländern sogar um 0,8 Prozent (+3.495) verzeichnet werden. Außerdem registrierte die BA erneut mehr "unbesetzte Berufsausbildungsstellen" als "unversorgte Bewerber/Bewerberinnen".
Der Berufsbildungsbericht weist drei Indikatoren zur Bewertung der Ausbildungsmarktsituation auf. Alle drei deuten auf eine Verbesserung der Ausbildungsmarktlage hin:
Die Ausbildungsmarktsituation wird sich im Jahr 2011 voraussichtlich weiter entspannen, die Prognose für den Berufsbildungsbericht 2011 geht von einem Anstieg des Ausbildungsangebots aus. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Abgänger und Abgängerinnen aus allgemein bildenden Schulen als Folge der demografischen Entwicklung bereits seit einiger Zeit. Dieser Trend wird zwar durch die doppelten Abiturientenjahrgänge vorübergehend unterbrochen. Zu berücksichtigen ist aber, dass Studienberechtigte nur zu einem geringen Anteil an der Aufnahme einer dualen Berufsausbildung interessiert sind. Weitaus bedeutsamer für den Ausbildungsmarkt sind junge Menschen mit maximal mittlerem Schulabschluss. Ihre Zahl geht in Folge der demografischen Entwicklung spürbar zurück. Was jetzt zu einer vorübergehenden Entlastung am Ausbildungsmarkt führt, kann in den kommenden Jahren allerdings ein ernsthaftes Nachwuchsproblem darstellen.
In den vergangenen Jahren hatte die angespannte Situation auf dem Ausbildungsmarkt (bis 2005 rückläufiges Ausbildungsangebot bei wachsenden Schulabgängerzahlen) zu steigenden Altbewerberanteilen geführt. Die Bundesregierung hatte deshalb in Umsetzung der Ergebnisse des Innovationskreises berufliche Bildung (IKBB) sowie des Konzepts "Jugend - Ausbildung und Arbeit" und mit der Qualifizierungsinitiative "Aufstieg durch Bildung" ein Paket gezielter Maßnahmen für besonders förderungsbedürftige Altbewerber und Altbewerberinnen auf den Weg gebracht. Die gemeinsamen Anstrengungen haben zu einem Rückgang der Altbewerberzahlen geführt. Gleichwohl besteht weiterhin Handlungsbedarf.
Das so genannte "Übergangssystem" bietet jungen Menschen, die nicht über die notwendigen Voraussetzungen für die Aufnahme einer Berufsausbildung verfügen oder keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, die Möglichkeit, ihre individuellen Chancen für die Aufnahme einer Ausbildung zu verbessern. In vergangenen Jahren war der Anteil der jungen Menschen in Maßnahmen des Übergangssystems in Folge der angespannten Ausbildungsmarktsituation deutlich angestiegen. Mit der zunehmenden Entspannung des Ausbildungsmarktes - bedingt durch die demografische und konjunkturelle Entwicklung sowie das Engagement der Bundesregierung und der Wirtschaft - geht auch die Zahl der Eintritte in das so genannte Übergangssystem wieder zurück.
Die Bundesregierung strebt eine stärkere Verzahnung der Übergänge zwischen Schule, Übergangssystem und Ausbildung an. Im Rahmen der Verlängerung des Nationalen Pakts für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs 2010-2014 haben sich die Paktpartner auf das Ziel verständigt, die vielfältigen Programme und Förderinstrumente des Übergangssystems besser aufeinander abzustimmen und dort, wo es sinnvoll ist, zu bündeln.
In der Berufsausbildung sind ausländische Jugendliche weiterhin stark unterrepräsentiert. Im Jahr 2009 fiel die Ausbildungsbeteiligungsquote junger Ausländer und Ausländerinnen mit 31,4 Prozent nur etwa halb so hoch aus wie die der deutschen jungen Menschen mit 64,3 Prozent. Vorrangiges Ziel der Bundesregierung ist es daher, vorhandene Zugangsbarrieren in Ausbildung und Beschäftigung für Jugendliche mit Migrationshintergrund abzubauen. Daher sind junge Menschen mit Migrationshintergrund eine wesentliche Zielgruppe des Nationalen Pakts für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland 2010-2014. Eine weitere wichtige bildungspolitische Zielsetzung ist die bessere Anerkennung von ausländischen Qualifikationen. Deshalb hat das Bundeskabinett am 23. März 2011 den Entwurf des Gesetzes zur Verbesserung und Anerkennung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen (Anerkennungsgesetz) verabschiedet. Zugewanderte, die im Ausland einen Beruf erlernt haben, wird es damit erheblich leichter gemacht, in Deutschland eine ihrer Qualifikation entsprechende Beschäftigung auszuüben. Schätzungen zufolge könnten rund 300.000 Menschen von dem Gesetz profitieren.
Zur besseren Verzahnung von Schule, Übergangssystem und dualer Ausbildung hat die Bundesregierung in Abstimmung mit den Ländern im Jahr 2010 die Initiative "Abschluss und Anschluss - Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss" gestartet, mit der Schulabbrüche verhindert, Warteschleifen im Übergangssystem vermieden und der Fachkräftenachwuchs durch berufliche Ausbildung gesichert werden soll. Dazu werden drei miteinander verzahnte Förderinstrumente eingesetzt:
An rund 1.000 Haupt- und Förderschulen sollen bis zu 30.000 förderungsbedürftige Schüler und Schülerinnen auf ihrem Weg in die Ausbildung begleitet werden. Zwischenzeitlich haben die ersten rd. 500 der vorgesehenen rd. 1.000 Berufseinstiegsbegleiter und Berufseinstiegsbegleiterinnen ihre Arbeit aufgenommen. Außerdem werden ca. 1.000 Senior Experten und Senior Expertinnen (Praktiker mit Berufserfahrung) zur Betreuung während der Berufsausbildung und zur Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen eingesetzt. Zusätzlich zu diesen Aktivitäten fördert die BA rund 1.200 Berufseinstiegsbegleiter und Berufseinstiegsbegleiterinnen nach § 421 s SGB III, die an rund 1.000 weiteren Schulen tätig sind.
Rund 15 Prozent (hochgerechnet 1,46 Millionen) der jungen Erwachsenen zwischen 20 und 29 Jahren in Deutschland verfügen nach Ergebnissen des Mikrozensus über keinen Berufsabschluss. Hierbei handelt es sich um eine weitere "Reserve", die für eine Steigerung der künftigen Zahl junger Fachkräfte genutzt werden kann. Für diesen Personenkreis müssen allerdings in Folge des bereits fortgeschrittenen Alters zum Teil spezielle Wege aufgezeigt werden, den fehlenden Ausbildungsabschluss nachzuholen. In der Förderinitiative "Perspektive Berufsabschluss" des BMBF werden derzeit zwei Ansätze erprobt, die mehr jungen Menschen einen Berufsabschluss ermöglichen sollen. Der präventive Ansatz zielt auf die Erhöhung der Transparenz, Qualität und die Effektivität der regional verfügbaren Förderangebote für Jugendliche beim Übergang von Schule in Ausbildung durch mehr Abstimmungen und Kooperationen der beteiligten Akteure vor Ort. Ein zweites Ziel ist eine "Abschlussorientierte modulare Nachqualifizierung" von un- und angelernten jungen Erwachsenen durch die Stärkung der innerbetrieblichen Weiterbildungskultur und den Ausbau modularer, flexibler Nachqualifizierungsmodelle.
06.04.2011: Schavan: "Tolles Signal an junge Leute"
Videobeitrag aus dem ZDF-Morgenmagazin

2011, 112 Seiten
Bestell-Nr.: 30637
Download [PDF - 1,68 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/bbb_2011.pdf)

2010, 66 Seiten
Download [PDF - 1,34 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/bbb_2010.pdf)

2009, 72 Seiten
Download [PDF - 1,09 MB] (URL: http://www.bmbf.de/pub/bbb_09.pdf)

2008, 376 Seiten
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Informationen der Euopäischen Kommission und Link zur englischen Version des am 19. April veröffentlichten EU-Bildungsberichts "Progress towards the common European objectives in education and training (2010/2011) - Indicators and benchmarks" (URL: http://ec.europa.eu/deutschland/press/pr_releases/9906_de.htm)
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